Case Studies

Umsetzungsbeispiele mit Harrison Assessments aus meiner Beraterpraxis

zu den Beispielen

Case Study:
Zweite Führungsebene

Aufbau einer zweiten Führungsebene in einem Scale-up

 „Skalieren geht nur, wenn Führung funktioniert“

Schnelles Wachstum löst viele Probleme. Und macht neue sichtbar.

Ein stark wachsendes Scale-up hat in kurzer Zeit seine Mitarbeiterzahl verdoppelt. Strukturen, die im kleinen Team funktionieren, geraten unter Druck. Der CEO ist operativ eingebunden, Entscheidungen laufen über seinen Tisch; die Führungskräfte agieren als verlängerte Arme statt als eigenständige Entscheider.

Die Frage ist nicht: Haben wir  gute Leute? Sondern: Haben wir eine zweite Führungsebene, die wirklich führt?

Die Herausforderung

Fachlich stark, loyal – aber kein abgestimmtes Führungsteam. Unklare Rollen. Unterschiedliche Erwartungen im Zusammenspiel mit dem CEO. Entscheidungen, die nach oben eskalieren, statt dort getroffen zu werden, wo sie hingehören.

Der Aufbau der zweiten Führungsebene ist keine reine Auswahlfrage. Es ist eine kombinierte Aufgabe aus Selektion, Rollenklarheit und gezielter Entwicklung.

Der Ansatz

Schritt 1: Eine klare Messlatte definieren
Zuerst wird gemeinsam mit dem CEO definiert, was Führung in diesem Unternehmen konkret bedeutet. Diese Fragen klingen selbstverständlich. In der Praxis sind sie es selten.

Schritt 2: Auswahl auf Basis von Passung – nicht Sympathie
Dann wird systematisch analysiert, wer die höchste Erfolgswahrscheinlichkeit in genau dieser Rolle, in genau dieser Phase mitbringt. Nicht wer „gut“ ist sondern wer passt. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied. Manche der bestehenden Führungskräfte passen bereits sehr gut. Manche müssen noch gefunden werden.

Schritt 3: Aus Einzelnen ein Führungsteam machen
Der zweite Fokus liegt auf Entwicklung: Wo entstehen unter Druck typische Engpässe –  individuell, aber auch im Zusammenspiel? Das Ziel ist kein Bericht. Das Ziel ist ein Führungsteam, das sich selbst versteht.

Das Ergebnis

Die zweite Führungsebene wird nicht nur besetzt. Sie wird bewusst gestaltet.

Klarere Rollen. Deutlich weniger operative Eskalationen zum CEO. Bessere Abstimmung im Führungskreis.
Der entscheidende Effekt: Das Führungsteam entwickelt ein gemeinsames Verständnis davon, wie Führung in diesem Unternehmen funktioniert, nicht nur, was fachlich zu tun ist. Das klingt weich. Es ist der härteste Hebel, den ein wachsendes Unternehmen hat.

Fazit

Der Aufbau einer zweiten Führungsebene entscheidet darüber, ob ein Unternehmen skalieren kann, oder ob alles am CEO hängen bleibt.

Die entscheidende Frage ist nicht: Wer ist die beste Führungskraft? Sondern: Wer passt in dieses System und macht es stärker? Das beginnt damit, die richtigen Fragen datenbasiert zu beantworten.

Case Study:
Besonderheiten bei interner Auswahl

Interne Führungskräfteauswahl in einer Genossenschaftsbank

„Wenn intern nicht automatisch einfach bedeutet“

Interne Besetzungen gelten als einfach. Meist sind sie das Gegenteil.

Eine mittelgroße Genossenschaftsbank strukturiert ihren Kreditbereich neu. Zwei neue Teamleiterpositionen entstehen. Eine mit klarem Fokus auf risikorelevantes Geschäft, eine für das Basisgeschäft. Sieben interne Kandidaten bewerben sich.

Die Frage ist nicht: Wer ist qualifiziert? Die Frage ist: Wer passt wirklich. Fachlich, strategisch und in der Führungsrolle und zu genau dieser Aufgabe?

Die Herausforderung
Beide Positionen stellen unterschiedliche Anforderungen. Im risikorelevanten Bereich zählen fachliche Tiefe und strategisches Urteilsvermögen. Im Basisgeschäft ist die Ausgangslage menschlich schwieriger: Die Motivation im Team hat über Monate nachgelassen. Gefragt ist eine Person, die Menschen wieder mitnimmt und nicht nur Prozesse verwaltet.

Die besondere Herausforderung bei internen Ausschreibungen: Nicht alle können zum Zuge kommen. Es bleiben immer enttäuschte Gesichter zurück. In diesem Fall ist klar, dass fünf Kandidaten nicht ausgewählt werden. Wie Menschen nach einem solchen Prozess an die Arbeit zurückgehen, motiviert oder frustriert, hängt entscheidend davon ab, wie das Ergebnis kommuniziert wird und welche Perspektiven ihnen aufgezeigt werden.

Der Ansatz
Zuerst werden klare Anforderungsprofile für beide Positionen definiert. Eine gemeinsame Messlatte für alle Kandidaten, damit die Entscheidung nicht auf Bauchgefühl basiert, sondern auf nachvollziehbaren Kriterien.

Für jede Position wird dann gezielt geschaut: Wer bringt die richtigen Stärken mit? Für die risikorelevante Stelle liegt der Fokus noch stärker auf strategischem Urteilsvermögen und dem Verhalten unter Druck. Für den Basisbereich besonders auf zwischenmenschlichen Kompetenzen und der Fähigkeit, ein demotiviertes Team wieder zu aktivieren.

Das Entscheidende: Alle sieben Kandidaten erhalten eine individuelle Auswertung. Was treibt sie an? Wo liegen ihre Stärken? Was brauchen sie, um sich weiterzuentwickeln? Diese Erkenntnisse werden zur Grundlage für individuelle Entwicklungspläne.

Das Ergebnis
Beide Teamleiterpositionen werden besetzt. Fundiert. Nachvollziehbar. Mit breiter Akzeptanz im Team.

Was den Unterschied macht: Die nicht ausgewählten Kandidaten gehen nicht mit einem allgemeinen „Leider diesmal nicht“ nach Hause. Sie gehen mit einem konkreten Bild ihrer eigenen Stärken und wertvollen Erkenntnissen für die persönliche Entwicklung.

Einige stellen dabei sogar selbst fest, dass Führung gar nicht zu ihren Präferenzen passt. Das ist keine Niederlage. Das ist Klarheit, und oft das Wertvollste, was ein Prozess liefern kann.

Fazit
Interne Besetzungen scheitern selten an fehlendem Talent. Sie scheitern daran, dass niemand die entscheidende Frage laut stellt: Passt diese Person wirklich zu dieser Rolle? Jetzt. In diesem Kontext. Mit diesen Anforderungen?

Wer diese Frage strukturiert beantwortet, trifft bessere Entscheidungen. Und schafft eine Kultur, in der auch die, die diesmal nicht zum Zug kamen, nach vorne schauen, statt innerlich zu kündigen.

Das ist kein netter Nebeneffekt. Das ist Führungskultur.

Case Study:
Gründer-Audit bei Beteiligung

Führungsaudit vor Investment in ein E-Commerce Start-up

„Führungsrisiken erkannt bevor das Kapital fließt“

Investments werden anhand von Zahlen entschieden. Erfolgreich werden sie wegen der Menschen.

Ein Investor plant den Einstieg in ein wachstumsstarkes E-Commerce Start-up. Geschäftsmodell solide, Umsätze positiv, Skalierung in Sicht. Die entscheidende Frage ist nicht: Trägt das Modell? Sondern: Trägt das Führungsteam?

Die Herausforderung
Das Team hat das Unternehmen erfolgreich aufgebaut. Doch Skalierung stellt andere Anforderungen als Aufbau.

Was im kleinen, agilen Setting funktioniert, wird bei wachsender Teamgröße schnell zum Engpass. Entscheidungen dauern länger. Abstimmungen werden komplexer. Führung wird systemrelevant.

Der Investor will Klarheit: Ist das Team unternehmerisch stark genug für die nächste Phase? Gibt es strategisches Urteilsvermögen auch unter Druck? Können die Führungskräfte größere Teams führen, entwickeln und ausrichten? Und wie ist die Zusammenarbeit mit den Gründern zu erwarten?

Der Ansatz
Zuerst wird definiert, was die Rolle des CEO und der zentralen Führungspositionen in der nächsten Wachstumsphase konkret erfordert. Unternehmerisch, strategisch, skalierungsrelevant.

Dann wird systematisch analysiert: Wer ist bereits gut aufgestellt? Wo liegen Entwicklungsbedarfe? Und wo entstehen unter Druck typische Engpässe, sowohl bei Einzelpersonen als auch im Zusammenspiel des Teams?

Das Ziel ist keine Bewertung. Sondern eine fundierte Grundlage für Entwicklung und für die Zusammenarbeit zwischen Investor und Führungsteam.

Das Ergebnis
Der Investor erhält eine klare Einschätzung. Differenziert nach Stärken, Risiken und Entwicklungsfeldern. Daraus folgen konkrete Maßnahmen. Das Investment wird nicht nur finanziell abgesichert, sondern strukturell vorbereitet.

Fazit
Die größte Unsicherheit bei Investments liegt selten im Geschäftsmodell. Sie liegt im Führungssystem.

Ein starkes Produkt kann skalieren. Ein Führungsteam muss mitwachsen. Das lässt sich messen. Bevor es zum Problem wird.

Welche Challenge liegt bei euch gerade an?

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